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Tsunamis im Sediment: Auf Spurensuche entlang der albanischen Küste

Was haben Küstensedimente mit Tsunamis zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Jede große Flutwelle hinterlässt charakteristische Spuren im Untergrund – natürliche Archive, die noch Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende später Hinweise auf vergangene Ereignisse liefern können. Genau diesen Spuren widmet sich ein neues Forschungsprojekt unter Mitwirkung von PD Dr. Dominik Brill im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms DEFORM (SPP 2497).

Warum Albanien?

Während Tsunami-Gefahren im östlichen Mittelmeer – etwa in Griechenland oder Süditalien – bereits intensiv erforscht wurden, gibt es für die albanische Adriaküste bislang kaum geologische Nachweise vergangener Tsunamis. Dabei liegt die Region an der tektonisch aktiven Adriatischen Platte, an der Erdbeben auftreten und potenziell Tsunamis auslösen können.

Die fehlenden Daten erschweren eine realistische Einschätzung des Gefahrenpotenzials. Frühere Katastrophen wie der Tsunami im Indischen Ozean (2004) oder der Tōhoku-Tsunami in Japan (2011) haben eindrücklich gezeigt, welche Folgen eine Unterschätzung solcher Naturgefahren haben kann.

Sedimente als Archive vergangener Tsunamis

Das Projekt untersucht Sedimentarchive entlang der albanischen Küste, um Hinweise auf frühere Tsunami-Ereignisse zu finden. Dabei kommen sogenannte Multi-Proxy-Methoden zum Einsatz – eine Kombination verschiedener Analyseverfahren aus der Sedimentologie, Geochemie, Geophysik und Geochronologie. Ziel ist es, charakteristische Tsunamiablagerungen (Tsunamiite) zu identifizieren und deren Alter, räumliche Verteilung sowie Wiederkehrraten zu rekonstruieren. Die Ergebnisse werden anschließend mit bekannten Tsunami-Ereignissen aus benachbarten Regionen wie Griechenland und Süditalien verglichen.

Ein wichtiger Baustein für die Georisikoforschung

Die gewonnenen Daten liefern erstmals feldbasierte Informationen über vergangene Tsunamis an der albanischen Küste. Damit tragen sie nicht nur zum besseren Verständnis der geologischen Entwicklung der Region bei, sondern verbessern auch die Grundlage für Tsunami-Gefahrenmodelle und die Bewertung zukünftiger Risiken. Als Teil des DFG-Schwerpunktprogramms „Geohazards und Deformation von Lithosphärenplatten: Der östliche Kontinentalrand der Adriatischen Platte (DEFORM)” leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Erforschung aktiver Verwerfungen und der seismischen Entwicklung im östlichen Mittelmeerraum.

Forschung für ein besseres Verständnis zukünftiger Naturgefahren

Vergangene Naturereignisse hinterlassen Spuren – wenn man weiß, wo man suchen muss. Durch die Untersuchung dieser natürlichen Archive hilft das Projekt dabei, die Tsunami-Geschichte der Adriaküste zu entschlüsseln und zukünftige Gefahren besser einschätzen zu können. Denn je besser wir vergangene Ereignisse verstehen, desto zuverlässiger lassen sich Risiken für die Zukunft bewerten.