Geländekampagne Albanien 2026 - Auf den Spuren der Tsunamis
Von Ende März bis Anfang April sind wir — Dominik und Tobias sowie vier weitere Wissenschaftler der RWTH Aachen University — im Rahmen des Projekts „Erkundung sedimentärer Tsunami-Archive in Albanien“ des SPP 2497 zu einer gemeinsamen Geländekampagne nach Albanien gereist.
Ziel der Kampagne ist es, potenzielle Tsunamiarchive entlang der albanischen Küste zu identifizieren, zu beproben und Hinweise auf vergangene Tsunamievents zu rekonstruieren. Im Fokus stehen dabei insbesondere Nord- und Mittelalbanien, wo wir über zehn Tage im Gelände gearbeitet haben.
Im Vorfeld der Kampagne werden potenzielle Archive mithilfe von Satellitenbildern ausgewählt. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf ehemalige Lagunen, Seen, Moore und vergleichbare niedrigenergetische Ablagerungsräume.
Diese Systeme sind durch die Ablagerung feinkörniger Sedimente wie Ton geprägt. Wird ein solches System durch eine Tsunamiwelle überprägt, kann grobkörniges Material — etwa vom Strand eingetragener Sand — in diese feinkörnigen Sequenzen eingebracht werden. Nach dem Ereignis setzt die normale Sedimentation wieder ein, wodurch sich diese charakteristischen grobkörnigen Lagen langfristig erhalten können.
Ein wichtiger Teil der Arbeit findet direkt im Gelände statt. Nicht alle potenziellen Archive lassen sich eindeutig aus Satellitendaten ableiten, weshalb wir im Feld flexibel auf vielversprechende Standorte reagieren und dort zusätzliche Bohrungen durchführen.
Oft entstehen diese Entscheidungen sehr spontan — basierend auf geomorphologischen Eindrücken vor Ort.
Da sich die albanische Küstenlinie seit dem Beginn des Holozäns stark seewärts verlagert hat, beschränken wir uns nicht nur auf die heutige Küstenebene. Auch das Hinterland wird systematisch beprobt, um potenziell ältere Tsunamiindikatoren zu erfassen.
Jeder Bohrkern wird direkt im Feld dokumentiert. Zunächst wird die äußere Oberfläche gereinigt, da das Material beim Ziehen des Kerns potenziell kontaminiert sein kann.
Anschließend erfolgt eine detaillierte Kernbeschreibung mit Fokus auf sedimentologische Strukturen, Auffälligkeiten und geschätzte Korngrößen. Danach wird der gesamte Kern fotografisch dokumentiert, bevor aus allen identifizierten Schichten gezielt Proben entnommen werden.
Neben klassischen Sedimentstrukturen stoßen wir gelegentlich auch auf besondere Funde — etwa gut erhaltene Muscheln.
In solchen Fällen sowie bei potenziell identifizierten Tsunamiablagerungen werden sogenannte Liner verwendet. Dabei handelt es sich um schwarze Kunststoffröhren, die die Sedimentstratigraphie ungestört konservieren und das Material vor Lichteinfluss schützen. Dies ist insbesondere wichtig für spätere Lumineszenzdatierungen.
Zusätzlich entnehmen wir auch Proben im Strandbereich. Dazu gehören unter anderem sogenannte nearshore–offshore-Proben, die das charakteristische Sediment des küstennahen marinen Systems repräsentieren.
Wenn diese Proben Ähnlichkeiten mit den im Gelände identifizierten potenziellen Tsunamiablagerungen aufweisen, kann dies als zusätzlicher Hinweis auf einen Tsunamieinfluss interpretiert werden.
Nach der Arbeit bleibt auch Zeit für eine kurze Pause am Meer — ein Vorteil der Feldarbeit in küstennahen Forschungsgebieten.
Nach zehn intensiven Tagen im Gelände geht es zurück nach Köln. Im Gepäck: über 300 Proben, zahlreiche neue Beobachtungen und ein sehr erfolgreich abgeschlossenes Feldprogramm.
Die Proben werden nun schrittweise in den Laboren der RWTH Aachen University sowie unseres Instituts weiter analysiert und datiert.