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Straßen, Satelliten und Scheinversprechen? Entwicklung neu-denken in Namibias Zambezi-Region (Nangolo et al., 2025)

von: Pascal Wilden, Svenja Hosbach, Britta Weiskircher (Juni 2025)


 „Entwicklung passiert nicht einfach automatisch […] Sie braucht koordinierte Planung, inklusive Politik und lokale Mitbestimmung.“  - Ein Gespräch mit Justina Nangolo über Infrastruktur und Entwicklung in Namibia: 

Infrastruktur – aber für wen?

Im Gespräch mit Justina Nangolo wurde schnell klar: Entwicklung ist mehr als nur Straßenbau. Die Studie „ Roads to development? A comparison of development corridors  vs regional roads in the Zambezi Region, Namibia“ zur Regionalentwicklung in der namibischen Zambezi-Region wirft einen kritischen Blick auf groß angelegte Infrastrukturprojekte im südlichen Afrika – insbesondere auf sogenannte Entwicklungskorridore, die ganze Regionen durch neue Handelsrouten transformieren sollen (Abb. 1).

„Viele Regierungen haben in den letzten zehn Jahren massiv in Entwicklungskorridore investiert“, erklärt Nangolo. „Aber nur wenige schauen hin, was tatsächlich vor Ort passiert.“.

Ihr Untersuchungsgebiet: die strategisch gelegene, ökologisch vielfältige und politisch bedeutsame Zambezi-Region im Nordosten Namibias – Teil des transnationalen Walvis Bay Ndola Lumbumbashi Development Corridor (WBNLDC), der Binnenstaaten wie Sambia oder die Demokratische Republik Kongo mit internationalen Märkten über den Hafen von Walvis Bay verbindet. 

Satellitendaten vs. Alltag am Boden

Mithilfe von hochauflösenden Satellitendaten (PlanetScope, Landsat) untersuchte das Forschungsteam die Landnutzungsveränderungen zwischen 2000 und 2023. Dazu nutzten sie die Methode der Random Forest Classification – ein Algorithmus, der auf Zeitreihen-basierter Bildklassifikation basiert, um die Landnutzung im Zeitverlauf zu analysieren. Die Ausweitung von Ackerland und bebauter Fläche diente dabei als Proxy-Variable für regionale Entwicklung. Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Trotz zunehmender landwirtschaftlicher Aktivität brachten gerade die groß beworbenen Entwicklungskorridore kaum spürbare lokale Vorteile. Regionale Straßen dagegen schienen oft eine effektivere Wirkung zu zeigen.

Was Entwicklung wirklich braucht

„Es gibt diese Vorstellung: Man baut eine Straße – und dann kommen Unternehmen, dann entsteht Entwicklung“, sagt Nangolo. „Aber so einfach ist das nicht.“ .

Entwicklung braucht Planung, politische Unterstützung, Kapital, Ausbildung – und lokale Einbindung. Dazu kommen Zielkonflikte, z. B. zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, die Entwicklungsprozesse zusätzlich erschweren.

Was jetzt?

In zukünftigen Projekten will Nangolo Satelliten-Nachtlichtdaten mit Haushaltsbefragungen kombinieren, um herauszufinden, ob Entwicklungskorridore wirklich verteiltes Wachstum erzeugen – oder eher externen Interessen dienen. Ihre Arbeit stellt damit ein verbreitetes Infrastruktur-Narrativ in Frage – und plädiert für eine kontextsensitive, gerechte und lokal eingebettete Entwicklungsplanung.

Quelle
 Justina Tuulikefo Nangolo, Christoph Hütt, Georg Bareth & Javier Revilla Diez (2025) Roads to development? A comparison of development corridors vs regional roads in the Zambezi Region, Namibia, Journal of Maps, 21:1, 2462302, DOI: 10.1080/17445647.2025.2462302.