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Große Exkursion Japan 2026

Warum Exkursionen? Während Vorlesungen und Seminare im Studium vor allem den Zweck haben, konzeptionelles Wissen und ein vertieftes Verständnis von geographischen Inhalten, Konzepten, Theorien und Modellen in zumeist abstrakter Form zu lehren, dienen Exkursionen und Praktika im Geographiestudium dazu, konkrete Inhalte vor Ort unmittelbar zu erfahren und in ihrer Kontextualität zu verstehen. Fachinhalte können zudem mit deutlich mehr Zeit und Ruhe vor Ort als in zeitlich getakteten Lehrveranstaltungen diskutiert werden. Keine anderen Lehrveranstaltungen ermöglichen deshalb so intensives, unmittelbares und gemeinsames Lehren und Lernen wie Exkursionen und Praktika. Und kaum anderswo im Studium ist so intensives „Netzwerken“ zwischen Studierenden – wie auch mit den Lehrenden – möglich – oft halten die Verbindungen im zukünftigen Berufs-, teils auch Privatleben jahrelang! 

Exkursionen und Praktika: konstitutiv für die Geographieausbildung? Fachinhalte und Zusammenhänge in der direkten Anschauung und Auseinandersetzung mit Phänomenen und Prozessen im Raum und in Gesellschaften, in der unmittelbaren Erfahrung gesellschaftlicher, ökonomischer, politischer Strukturen und Akteure, auch praxisorientiert zu lehren, zu lernen und zu forschen, gehört zum Geographie-Studium so unabdingbar hinzu wie in den Naturwissenschaften die Arbeit im Labor bzw. in Gesellschafts- und Geisteswissenschaften die Auseinandersetzung mit Worten und Textdokumenten.

Exkursionen: wie? Im Rahmen des Studiums führen Exkursionen über einen Zeitraum von zehn bis siebzehn Tagen in Nah- oder Fernräume. Die inhaltlichen und regionalen Praktikumsziele und -schwerpunkte variieren. Studierende werden unter der Leitung und akademischen Begleitung von Lehrenden mit geographischen Schwerpunktthemen vertraut gemacht. Oft werden in gewissem Umfang kleinere eigene Explorationen (etwa: Befragungen, Kartierungen, Interviews) vor Ort durchgeführt. Ziel von Exkursionen ist es zudem, dass die Studierenden vor Ort geographische Fragestellungen und Realitäten der Mensch-Umwelt-Forschung in ihrer Systemhaftigkeit verstehen und zudem internationale und interkulturelle Erfahrungen sammeln und reflektieren lernen.

Exkursion ins urbane Japan: Die diesjährige Exkursion führte ins urbane Japan. Im Fokus standen die aktuellen Urbanisierungsprozesse Japans, mit dem Ziel, ein tiefergehendes Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen „traditionell“-historischen und globalisierungsinduzierten Urbanisierungsdynamiken zu erreichen. An acht ausgewählten Städten – Nagasaki, Fukuoka, Hiroshima, Kobe, Kyoto, Nara, Nikko und Tokyo – wurden exemplarisch relevante stadtgeographische Themen behandelt, darunter: traditionelle und moderne Stadtentwicklungskonzepte, Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, Bedeutung und Schutz urbanen Kulturerbes, Suburbanisierung, urbane Megaprojekte, urbaner Tourismus, Klima- und Umweltwandelanpassung, resiliente Stadt und Risikovorsorge, innovative Wohnkonzepte, Nachbarschaftsquartiere und Digitalisierung.

Treffpunkt war die Hafenstadt Nagasaki … von wo aus wir uns über einen Zeitraum von vierzehn Tagen gemeinsam in Zügen, Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen sowie ausgiebig zu Fuß über zahlreiche Exkursionsstationen bis nach Tokyo bewegten. Viel Freude beim Lesen des Blogs …

Frauke Kraas